Cascais – die Perle der portugiesischen Riviera


11 Minuten Lesezeit

Kaum zu glauben, es ist Ende Oktober und bei meiner Ankunft auf dem Lissaboner Flughafen strahlt die Sonne. Nicht nur die intensive Sonnenstrahlung ist wohltuend im Vergleich zu unserem bedeckten Himmel, erst recht die sommerlichen Temperaturen mit über 25 Grad. Zum Ende meiner Besuchswoche kletterte das Thermometer sogar auf über 30 Grad.

Ursprünglich, charmant und mondän – das ist Cascais

Dieses Mal stand nicht Lissabon im Mittelpunkt meines Besuchsprogramms in Portugal, sondern das mondäne, reizende Cascais. Wer länger in Lissabon weilt, sollte unbedingt einen Abstecher in das ehemalige Fischerdorf machen. Oder besser noch, gleich seinen Urlaub dort verbringen.

Cascais liegt Luftlinie etwa 25 Kilometer von Lissabon entfernt und ist mit dem Auto gut von der Hauptstadt aus erreichbar. Entspannter und bequemer geht es mit dem Regionalzug bzw. der S-Bahn. Fahrzeit von Lissabon aus etwa 40 Minuten, Fahrpreis weniger als drei Euro, schöne Aussichten auf den Tejo inklusive.

Cascais – Sonnenschein im Oktober. Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky

Eine mehr außergewöhnliche Wahl ist der Transfer per Boot. So kann man gleich vom gewaltigen Strom Tejo auf Lissabon und das atemberaubende Ufer blicken. Später wird das Ufer zur Steilküste, immer wieder unterbrochen von malerischen kleinen Buchten mit Stränden.


Zum Beispiel mit dem Anbieter Aquastart (http://aquastart.pt/home_en/, aquastartcascais@aquastart.pt).

Vila und nicht Cidade

Gerade angekommen, nimmt mich die charmante Stadt sofort gefangen. Stadt? Cascais ist keine Stadt, wird der Reisende von den Einheimischen belehrt. Die Einwohner wollen ihren Status als Vila nicht verlieren, sie wollen den Charakter als ehemaliges Fischerdorf behalten. Also Vila Cascais eben. Mehr über die Unterschiede von Vila und Cidade in Portugal erfahren Sie oder ihr bei Wikipedia.

Obwohl sich Cascais in den letzten Jahrzehnten vom einstigen Fischerdorf nach und nach zu einem lebhaften Urlaubsort entwickelte, hat die Innenstadt bis heute ihren sympathisch-kleinstädtischen Charakter bewahrt. Und überall gibt es die für Portugal typischen Mosaike auf den Plätzen und Straßen, die das Auge erfreuen. Kleine Cafés und Restaurants mit stets freundlichem Personal laden zum Verweilen ein.

Cascais, zentraler Platz mit dem Rathaus (links). Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky

Den Spagat, einerseits Ursprünglichkeit zu bewahren, andererseits einen mondänen Urlaubsort mit vielen 4- und 5-Sterne-Hotels sowie edlen Restaurants zu leben – Cascais schafft es bravourös.

Sommer-Residenz der portugiesischen Königsfamilien

Einfach angenehm: das milde Klima mit rund 300 Sonnentagen im Jahr und die üppige mediterrane Vegetation. Deswegen bezeichnen nicht nur portugiesische Touristiker die Region gerne als „portugiesische Riviera“.

Wen wundert es, dass bereits in der Steinzeit Menschen den Ort für sich entdeckten. Auch die späteren Eroberer zog es an die Küste von Cascais. Römer, Phönizier und Araber schätzten die strategisch wertvolle Lage an Europas Westküste.

Ab 1870 verbrachte die portugiesische Königsfamilie regelmäßig die Sommermonate in ihren Residenzen außerhalb Lissabons, u.a. in Cascais. Bis zum Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Region Cascais und Estoril zu einem beliebten Wohnsitz für reiche Adelige und Bürger aus dem In- und Ausland, die vor allem in Estoril den Grundstein für den immer beliebteren Badetourismus legten.

Cascais und Estoril bilden heute gemeinsam die Gemeinde União das Freguesias de Cascais e Estoril, Sitz ist Cascais.

Spione und die Geburtsstunde von Bond, James Bond

Aufgrund der Neutralität Portugals wurde Estoril, wie übrigens Lissabon auch, während des Zweiten Weltkriegs zum Tummelplatz von Geheimagenten aus aller Welt. Zwischen dem 1911 eröffneten Spielkasino, das bis heute das größte seiner Art in Europa ist, dem mondänen Hotel Palácio sowie dem Hotel Atlântico in Monte Estoril trafen Spione aus Deutschland, den USA und Großbritannien aufeinander.

Zudem hatte eine ganze Reihe von gekrönten Häuptern aus Spanien, Italien, Frankreich, Bulgarien und Rumänien Zuflucht an Lissabons „Sunshine Coast“ gesucht.

Einer der britischen Agenten, der offiziell als Verbindungsoffizier seiner Regierung vor Ort war, hieß Ian Fleming. Angeblich soll ihm beim Baccara-Spiel im Kasino von Estoril die Idee für den berühmtesten Geheimagenten der Welt gekommen sein: James Bond alias 007 gab 1952 im Roman „Casino Royale“ sein Debut.

Als Hommage an Flemings Zeit an der portugiesischen Riviera entstanden übrigens 1969 eine ganze Reihe von Szenen für den Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ mit George Lazenby als Bond an den Originalschauplätzen in Estoril.

Früher Zitadelle heute Museum, Hotel und Künstler-Bezirk

Eines der imposantesten Bauwerke ist die Zitadelle von Cascais. Sie ist eine mächtige Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert oberhalb der Bucht von Cascais. Die Cidadela de Cascais gehörte einst zur Festungskette an der Küste, die der Verteidigung der Landeplätze und Häfen in Hauptstadtnähe dienten. Immer wieder versuchten Piraten in Lissabon ihr „Glück“. Sie konnten dann von den Befestigungsanlagen zu beiden Seiten des Tejo unter Beschuss genommen werden.

Palácio da Cidadela mit dem Hotel Pousada Cascais. Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky

Heute beherbergt die Zitadelle die Pousada de Citadela, ein 5-Sterne-Hotel, rechterhand vom Eingang den „Citadela Art District“ und zur Linken das Museu da Presidencia.

Der Art District mit seiner Kunstgalerie und den offenen Ateliers will die zeitgenössische Kunst fördern und den Besuchern näher bringen. Sie können in direkten Kontakt mit den Künstlern treten und ihnen bei der Arbeit zuschauen.


Cidadela Art District

Täglich geöffnet

Tel. +351 214 820 300

www.cidadelaartdistrict.com

GPS: 38 41.657“ N / 9 25.183“ W


Das Museu da Presidencia ist der Geschichte der Republik Portugal und deren Staatspräsidenten gewidmet. Früher diente die Zitadelle den Königen als der Palast für den Sommersitz. Am Eingang wird übrigens wie auf einem Flughafen kontrolliert. Der Grund: Auch heute noch ist die Zitadelle einer der offiziellen Residenzen des Staatspräsidenten. Während internationale Staatsgäste eher in Lissabon übernachten, halten sie aber durchaus in der Zitadelle Cascais ihre Audienzen ab.

Der Besuch ist ein Muss für Leute, die ihre Geschichtskenntnisse über Portugal vertiefen wollen und erst recht für Royal-Fans.


Museu da Presidencia

Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 14 bis 20 Uhr

Tel.: + 351 213 614 660

www.museu.presidencia.pt

GPS: 38 41,657“ N / 9 25.183“ W


Für mich das schönste Gebäude und ein sehr beliebtes Fotomotiv ist das Museu Biblioteca dos Condes de Castro Guimaraes. Das prächtige historische Gebäude des Grafen von Castro Guimaraes liegt an einer kleinen Bucht über die eine enge Straße führt mit einem schmalen Gehweg. Der Palast wurde 1900 im Auftrag von Jorge O’Neill erbaut. Immer wieder bleiben Passanten dort und fotografieren das vom Sonnenlicht angestrahlte Haus. Während der Flut wird das Haus am Fundament von Wellen umspült.

Im Innern präsentieren sich nicht weniger eindrucksvoll eine interessante Kunstsammlung, prunkvolle Möbelstücke im indisch-portugiesischen Stil und archäologische Funde aus der Frühgeschichte.

Museu Biblioteca dos Condes de Castro Guimaraes. Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky

Museu Biblioteca dos Condes de Castro Guimaraes

Öffnungszeiten:

Werktags 10 bis 17, samstags und sonntags 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr

Montags und an Feiertagen geschlossen

Tel. +351 214 815 308

www.visitcascais.com

GPS: 38 41‘ 32.24“ N / 9 25‘ 18.27“ W


Nicht minder interessant ist der angrenzende Park Marechal Carmona. Beim Spaziergang kann man eine kleine Kapelle und hübsche Fliesenbilder entdecken. Wer bis zum Sonnenuntergang im Park ausharrt, wird ein seltenes Schauspiel entdecken. Im Park sind viele Pfaue unterwegs. Wenn es dunkel wird, suchen sie einen Schlafplatz in den Bäumen. Umso höher, umso besser. Da sie aber nicht so gut fliegen können, gehen sie schrittweise vor: von Mauer zu Ast, zu einem höheren Ast und so weiter. Dabei kann es auch einen richtigen Streit zwischen diesen Vögeln mit den schönen Schwanzfedern geben. Nach etwa 30 Minuten sitzen alle Pfauen auf den Bäumen in den oberen Ästen.

Die Geheimnisse der Leuchttürme

Ebenso interessant wie die vielen Festungen am Meer zum Schutz gegen Feinde sind die zahlreichen Leuchttürme zum Schutz der Seefahrer. Viele sind zum Museum ausgebaut. Einer der interessantesten Leuchttürme steht am westlichsten Punkt des europäischen Festlandes, auf dem Cabo da Roca. Gleich hinter dem rot-weiß gestreiften Leuchtturm fällt das Land 140 Meter steil ins Meer ab. Dieser Leuchtturm ist in Betrieb und kann dennoch besichtigt werden.

Cabo da Roca Lighthouse. Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky

Fernando Miguéis überwacht als einer von drei Leuchtturmwärtern von dort aus den Betrieb der Leuchttürme an einem insgesamt 100 Kilometer langen Abschnitt. 24 Stunden rund um die Uhr haben die Faroleiros jeweils Dienst für die Schifffahrt. Fernando ist schon seit 1999 Leuchtturmwärter und seit 23 Jahren für den Leuchtturm Cabo da Roca mitverantwortlich.


Fotostrecke Cabo de Roca


Die Wärter achten nicht nur auf den ordnungsgemäßen Betrieb des Leuchtfeuers, sondern auch auf Schiffbrüchige oder Schwimmer, die sich zu weit rauswagen. In diesem Fall ruft der Faroleiro Hubschrauber oder Schnellboote zur Rettung.

Mehr Sorgen als Schiffbrüchige machen Fernando Miguéis allerdings Touristen, die sich für ihre Selfies zu weit an die Klippen wagen – bis sie zu Tode stürzen. Was leider immer wieder vorkommt.

Cabo da Roca. Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky

Ist er wirklich 24 Stunden am Stück wach? Fernando lacht, nein natürlich nicht. Was, wenn das Leuchtfeuer gerade ausfällt und er schläft den Schlaf der Gerechten? Dann gibt es einen lauten Alarm.

Früher wurden übrigens die Leuchtfeuer mit Gas betrieben, heute elektrisch. Für den Fall, dass der Strom ausfällt, steht ein Generator zur Verfügung. Und wenn der Diesel für den Generator verbraucht und die Stromversorgung immer noch nicht wieder hergestellt ist?

Dann gibt es eine Art Gewicht – wie es in den alten Standuhren bei Oma und Opa zum Einsatz kam – das von Hand per Kurbel aufgezogen wird. Dieses dreht durch seine Schwerkraft zwei Stunden das Leuchtfeuer, danach ist wieder Körpereinsatz gefragt. Das eigentliche Licht wird während dieser Zeit auf Dieselbetrieb umgestellt.

Cabo da Roca Lighthouse. Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky

Noch ein technisches Detail: Die Leuchtfeuer sind zur Sicherheit mit drei Leuchtkörpern – auf gut deutsch Glühlampen – ausgestattet. In Betrieb ist jeweils nur eine Lampe. Bei einem durchschnittlichen Betrieb von 13 Stunden am Tag halten sie in der Regel zwei Jahre.

Aber das könnt ihr euch bzw. Sie sich alles von Faroleiro Fernando Miguéis genauestens erklären lassen. Vielleicht lässt er für euch auch das Leuchtfeuer mal „probe laufen“, wenn ihr euch oben in der Kuppel befindet. Ist sehr beeindruckend – das kann ich verraten.

Natürlich ist dann auch ein Besuch der daneben liegenden Aussichtsplattform mit dem Denkmal Pflicht. Aber bitte mit den Selfies schön innerhalb der Absperrung bleiben.


Cabo da Roca Leuchtturm

Öffnungszeiten:

jeden Mittwoch von 13:30 bis 17 Uhr; eine Gruppe darf maximal 15 Personen umfassen; der Eintritt ist kostenfrei

http://www.amn.pt/DF/Paginas/FaroldoCabodaRoca.aspx

dfarois@amn.pt


Häufig fotografiert, das Denkmal am Cabo da Roca. Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky

Natur pur

Wer die Natur liebt, kommt nicht zu kurz. Cabo de Roca liegt im Naturpark Sintra–Cascais – dieser Nationalpark ist ein Paradies für Naturfreunde. In Guincho locken Sanddünen und malerische Strände, an denen sich der wilde Atlantik bricht. Es folgen üppig grüne Wälder, in denen der Wind in den Baumwipfeln singt. Verträumte Seen und eine felsige Steilküste, deren Höhepunkt das Cabo da Roca bildet.

Immer noch ein Geheimtipp: der Strand von Guincho in der Nähe von Cascais. Foto: Lassuns.reisen

Im Hintergrund erhebt sich das malerische Sintra-Gebirge, in dem auf Basalt-, Granit- und Kalkböden die verschiedensten Baum- und Buscharten wachsen, unter denen noch Gattungen der ursprünglichen Flora und endemische Arten zu finden sind. Beispielsweise zählen dazu die Portugiesische Eiche, die Steineiche, die Zirbelkiefer sowie die in Portugal beheimatete Grasnelke.

Im Wald, auf den Wiesen und an den Klippen haben Wildkaninchen, Füchse, Dachse, Wiesel, Eidechsennattern und die Kleine Hufeisennase, eine Fledermausart, sowie viele Vogelarten wie der Bonelli-Adler, der Turmfalke und der Wanderfalke ihre Heimat.

Am Ende meines leider nur zweitägigen Aufenthalts in Cascais warte ich auf einer Bank am Strand auf eine portugiesische Bekannte und „belauschte“ ungewollt drei ältere Touristen aus den USA, die dort ebenfalls die Aussicht genossen. Sie beschlossen spontan ihre Reise um einige Tage zu verlängern, weil es ihnen hier so sehr gefiel. Ich musste leider weiter.

Ingo Paszkowsky

Die Recherchereise wurde unterstützt von Visit Cascais www.visitcascais.com und TAP Air Portugal www.flytap.com

Titelfoto / Cascais, Blick auf den Hafen. / Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky

 


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