Das Goldene Zeitalter: die Niederlande erblühten in kulturellem Reichtum


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Das niederländische Goldene Zeitalter im 17. Jahrhundert war eine Periode voller Reichtum für die Niederlande, zu dieser Zeit noch die niederländische Republik. Der Handel mit Ländern in Europa und aus aller Welt blühte auf. Städte, die Schiffe nach Asien, Afrika und Amerika schickten, waren die reichsten in Holland und die Geschichte dieser Städte ist noch bis heute anhand der Häuser, der Kanäle, der Kirchen, der Stadtmauern und der Häfen erkennbar. Auch die Kunst und Wissenschaft blühte auf. Dies zeigen die Gemälde der berühmten niederländischen Künstler Rembrandt, Frans Hals und Vermeer. Die Geschichte des Goldenen Zeitalters ist noch stets sehr greifbar und kann entlang der Route zwischen Middelburg südlich von Hoorn und Enkhuizen im Norden Hollands erlebt werden. Das Niederländische Büro für Tourismus & Convention (NBTC) will anlässlich des 350. Todestages von Rembrandt die Geschichte des Goldenen Zeitalters ab 2019 stärker in den Vordergrund rücken. Eine Übersicht gibt es auf https://www.holland.com/de/tourist/holland-storys/das-goldene-zeitalter-in-holland.htm

Grafik: NBTC

 

Middelburg: Stadt der Vereinigten Ostindischen Kompanie

Das Goldene Zeitalter war eine Zeit großen Reichtums, erworben durch internationalen Handel. Middelburg in der Provinz Zeeland war neben Amsterdam Hauptsitz der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC), die eine große Rolle für diesen Handel spielte. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war Middelburg die größte Handelsstadt der Niederlande mit einer umfassenden Wein-Industrie. Heutzutage kann man noch stets die Zeit der VOC in Middelburg mit seinen historischen Gebäuden erleben. Middelburg ist eine kompakte Stadt, in der man entlang der Kanäle auf gepflasterten Straßen läuft, Museen besucht oder auf den Terrassen der vielen Cafés sitzt und sich zurückversetzt ins Goldene Zeitalter. Die internationale Orientierung des Goldenen Zeitalters führte in Middelburg auch zu großer Offenherzigkeit gegenüber anderen Kulturen. Es ist somit auch kein Zufall, dass hier die internationalen „Four Freedom Awards“ stattfinden, zu deren Preisträgern u.a. Nelson Mandela, Kofi Annan und Angela Merkel zählen.

Het Hof Dordrecht. Foto: Dordrecht Marketing

Dordrecht: Geburtsstadt des Goldenen Zeitalters

Dordrecht gilt als „Wiege“ des Goldenen Zeitalters. Denn die Stadt entwickelte sich bereits im Mittelalter zum Handels- und Regierungszentrum der Region Holland. Da Dordrecht die ältesten Stadtrechte der Niederlande besitzt, wurde die Stadt als „Hollands Erste“ bezeichnet. Deren Goldenes Zeitalter begann bereits Anfang des 14. Jahrhunderts – früher als im übrigen Teil der Niederlande. Die Stadt war Schauplatz der Geburt der Niederlande in moderner Form während der „Ersten Versammlung der freien Staaten“ im Jahre 1572, welche im „Het Hof van Nederland“ (Gerichtshof der Niederlande), einem ehemaligen Augustiner Kloster, stattfand. Diese Versammlung legte die Grundlage für das Goldene Zeitalter und damit für das Wachstum der Niederlande. Für Dordrecht allerdings markierte dies das Ende des stadteigenen Goldenen Zeitalters, da die anderen Städte begannen, Dordrecht in Punkto Größe und Bedeutung zu überholen. Heute befindet sich im „Het Hof van Nederland“-Gebäude ein interaktives Museum, in dem Besucher die historischen Events erleben und sehen können, wie Dordrecht das Goldene Zeitalter und die heutige Lebensweise beeinflusst hat. Es war der Geburtsort vieler niederländischer Meister und Rembrandt-Schüler wie Aelbert Cuyp, Nicolaes Maes, Aert de Gelder, Samuel van Hoogstraten und Ferdinand Bol. Zahlreiche der Werke sind Teil der Sammlung des Dordrechter Museums.

Damiate-Brücke in Dordrecht. Foto: OVV Roderick Jongschaap
Damiate-Brücke in Dordrecht. Foto: OVV Roderick Jongschaap

Delft: Stadt von Johannes Vermeer und Delfter Blau

Delft ist in vielerlei Hinsicht weltbekannt. Als Heimatstadt der Meister Johannes Vermeer und Pieter de Hooch, als Entstehungsort des weltberühmten Delfter-Blau-Porzellans und als Wohnort von Wilhelm von Oranien, welcher 1572 dorthin zog. Er wird auch als „Vater des Vaterlandes“ bezeichnet, da er der Anführer des Aufstandes gegen Spanien war und letztendlich die Unabhängigkeit Hollands besiegelte. Diese ermöglichte wiederum den Reichtum der Niederlande im 17. Jahrhundert. Das Delfter Blau ist ein Sinnbild dieses Reichtums im Goldenen Zeitalter. Viele Spuren aus dieser Zeit sind noch bis zum heutigen Tage entlang der alten Grachten im historischen Stadtzentrum sichtbar. Auch eine der ursprünglichen Fabriken für die Töpferware ist noch stets in Betrieb. Wie Delft in jener Zeit ausgesehen hat, kann man auf den Malereien von Vermeer sehen, welcher sein Leben lang in dieser Stadt gelebt hat. Im Vermeer Centrum Delft können die Reproduktionen bewundert werden. Auch viele seiner Zeitgenossen wie beispielsweise Pieter de Hooch, Carel Fabritius oder Jan Steen hielten sich einige Zeit in Delft auf.


Delftblauer Laternenfphal im historischen Delft. Foto: NBTC

Am 28. März 2018 wird Royal Delft 365 Jahre alt. Dies wird das ganze Jahr über gefeiert. Highlights stellen dabei die Ausstellung „Nouveau Blue: vision to realisation“ und ein Gemälde einer Delfter-Blau-Fliese, welche über das Jahr verteilt von 365 Personen gemalt wird, dar. Darüber hinaus wird es 2018 noch viele weitere Feierlichkeiten geben.

Neue Ausstellung im Royal Delft

Die Ausstellung „Nouveau Blue – vision to realisation“ läuft vom 28. März bis zum 30. September 2018 im Museum Royal Delft. Royal Delft legte im 19. Jahrhundert das Fundament für die Keramik und wurde zu einer weltbekannten Marke: Das Delfter Blau ist geboren. Die Ausstellung erzählt die Geschichte dieser Ikone und welche Personen und Innovationen die Entwicklung gefördert haben. Zusätzlich werden von Royal Delft Workshops angeboten, in denen Besucher Delfter Blau bemalen können, und es gibt Touren in verschiedenen Sprachen.

Royal Delft ist sowohl Museum als auch Fachinstitut für Keramik und die einzige noch aktive Fabrik zugleich. Besucher können in einer audiovisuellen Präsentation die Geschichte und den Herstellungsprozess der bekannten Töpferware erleben sowie bei Workshops selbst Hand anlegen und sich beim Bemalen von Delfter Blau versuchen. Im Ausstellungsraum wird eine umfassende Kollektion von handgemalten Töpferwaren von Royal Delft und eine Sammlung von Souvenirs ausgestellt.

Der große Markt in Haarlem heute. Foto: NBTC / Hans Guldemond

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Und der Große Markt in Haarlem von Gerrit Adriaenszoon Berckheyde als Gemälde von früher. Foto: NBTC / Margareta Svensson

Geschichte des Delfter Blaus

Vor 400 Jahren kehrten die ersten Schiffe der Niederländischen Ostindischen Kompanie nach Holland zurück, voll mit dem blau-weißen chinesischen Porzellan. Dieses Porzellan wurde unter reichen Familien wie z.B. den europäischen Königshäusern sehr beliebt. Als der Import von chinesischem Porzellan infolge der Bürgerkriege in China zurückging, ergriffen die niederländischen Töpfereien die Gelegenheit und entwickelten ihre eigene Version dieses blau-weißen Porzellans. Dies führte zur Geburt des Delfter Blau in den Niederlanden. Heute ist Delfter Blau eine wahre niederländische Ikone.

Von den ungefähr 32 Töpfereien, die im 17. Jahrhundert gegründet wurden, ist Royal Delft aus dem Jahr 1653 die einzige noch verbliebene Fabrik für Delfter Keramik. Hier wird die berühmte Delfter Keramik immer noch komplett nach jahrhundertealter Tradition von Hand bemalt. 1919 erhielt das Unternehmen den Zusatz „Royal“, der seine spezielle Beziehung zu der niederländischen Königsfamilie unterstreicht.

Den Haag: Gemäldegalerie des Goldenen Zeitalters

Ist Den Haag heute als Residenz des niederländischen Königshauses, als Sitz internationaler Organisationen für Frieden und der Gerechtigkeit und nicht zuletzt als Stadt am Meer bekannt, war Den Haag während des Goldenen Zeitalters vor allem für Kunst berühmt. Bekannte Künstler wie Jan van Goyen, Paulus Potter und Jan Steen lebten und arbeiteten in dieser Stadt. Constantijn Huygen, ein berühmter Bewohner von Den Haag, war nicht nur Architekt, Diplomat und Komponist, sondern auch einer der besten Poeten seiner Zeit. Die Königliche Gemäldegalerie Mauritshaus zeugt noch heute von dieser reichen Kulturepoche Den Haags. Das weltberühmte Museum liegt im Herzen der Stadt, direkt neben dem Regierungszentrum. Meisterwerke wie Vermeers „Mädchen mit einem Perlenohrring“ und „Ansicht von Delft“, „Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp“ von Rembrandt und der „Distelfink“ von Fabritius sind permanent sichtbar in den Räumen des 17. Jahrhundert-Monuments.

Den Haag: Binnensaal und Rittersaal. Foto: NBTC

Leiden: Geburtsort der holländischen Meister

Rembrandt ist ohne Frage der bekannteste Künstler des Goldenen Zeitalters. In Leiden, seinem Geburtsort, fertigte er seine ersten Meisterwerke. Andere Berühmtheiten wie Jan Livens, Jan Steen, Jan van Goyen und Gerrit Dou arbeiteten ebenfalls in dieser Stadt, was Leiden zu der Geburtsstadt niederländischer Meister im Goldenen Zeitalter machte. Zu dieser Zeit war Leiden die zweitgrößte Stadt in Holland, nach Amsterdam. Der blühende Handel in der Stadt und die tolerante Gastfreundschaft war für viele Immigranten sehr attraktiv, gab der Stadt neuen Schwung und förderte deren Wachstum. Es war eine Zeit, in der die Pilgerväter (welche später die Vereinigten Staaten gründeten) die Freiheit in Leiden genossen, die Tulpe das erste Mal in Europa in Leidens Botanischem Garten „Hortus botanicus“ gesehen wurde und die Kleidungsindustrie der Stadt die internationale Hochblüte feierte.  Leidens Universität, die älteste Hochschule der Niederlande (gegründet im Jahre 1575), trug ebenfalls zum Glanz der Stadt bei. Leiden hat über 300 historische Monumente, wodurch noch heute die Atmosphäre des Goldenen Zeitalters spürbar ist.

Haarlem: Start eines neuen Stils bei den Malereien des Goldenen Zeitalters

Am Ende des 16. Jahrhunderts flohen geschäftstüchtige Bürger der südlichen „Niederlanden“ (lage landen) vor der drohenden Inquisition und aus wirtschaftlichen Gründen in die nördlichen Länder. Viele wählten Haarlem als Ziel. Unter ihnen waren zahlreiche Künstler wie beispielsweise Frans Hals, der sich immer mehr zu einem der bekanntesten Holländischen Meister entwickelt. Haarlems Bewohnerzahl verdreifachte sich und das, gemeinsam mit dem wirtschaftlichen Wachstum, führte zu einem enormen Wachstum der Kunstnachfrage. Die enorme Konkurrenz auf dem Kunstmarkt förderte in Haarlem eine große künstlerische Dynamik und die Entstehung neuer Kunststile. Diese revolutionären Veränderungen in der Malerei werden wunderbar in der Kollektion des Frans Hals Museums widergespiegelt. Dieses bietet eine hochqualitative Repräsentation des gesamten Spektrums der Malereien aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Amsterdam: Die Hauptstadt des Goldenen Zeitalters

Im Goldenen Zeitalter im 17. Jahrhundert galt Amsterdam als das wichtigste Handelszentrum der Welt. Mit dem Handel kam Reichtum, und mit Reichtum die Entwicklung von Kunst und Wissenschaft. Amsterdam wurde zu einem kulturellen Mittelpunkt, und viele der Erfolge und Fortschritte haben keinerlei Bedeutung verloren.

Das Rijksmuseum Amsterdam. Foto: Rijksmuseum Amsterdam / Monique Vermeulen

Museum Rembrandthaus

20 Jahre lang lebte der größte Künstler der Niederlande in dem beeindruckenden Gebäude im Herzen von Amsterdam, welches heute ein Museum ist. Das Rembrandt-Haus gibt den Besuchern das komplette Rembrandt-Erlebnis: es wurde detailgetreu eingerichtet mit Möbeln und Kunst aus der damaligen Zeit. Das Museum verfügt über eine fast vollständige Kollektion seiner Radierungen, und bietet wechselnde Ausstellungen über Rembrandt, seine Vorgänger, Zeitgenossen und Schüler.

Rembrandt: Die Nachtwache. Quelle: Rijksmuseum

Nationales Schifffahrtsmuseum (Scheepvaartmuseum)

Im 17. Jahrhundert verfügte Amsterdam über den größten Hafen der Welt, und die Niederlande waren eine Weltmacht. Großteile der Amsterdamer Geschichte stehen in Verbindung mit dem Meer und dem Handel. Im Arsenal, dem damaligen Lagerhaus des Marineministeriums, gebaut im Jahre 1656, befindet sich heute das Schifffahrtsmuseum (Scheepvaartmuseum). Im gesamten Ausstellungshaus ermöglicht interaktive Technologie, das Leben im Goldenen Zeitalter nachzuvollziehen. Eine Nachbildung eines VOC-Schiffes aus dem 18. Jahrhunderts liegt vor dem Museum vor Anker und ist das größte Ausstellungsstück. Kunstliebhaber werden ebenfalls nicht enttäuscht sein: mit über 800 Malereien und 1800 Schiffsmodellen ist für jede Altersklasse etwas dabei.

Portugiesische Synagoge

Im Herzen von Amsterdam befindet sich das Jüdische Viertel. Bei einem Besuch in der portugiesischen Synagoge kann man in der Zeit zurückreisen. Die Möbel aus dem 17. Jahrhundert sind noch intakt; es gibt kein elektronisches Licht oder künstliche Wärme. Während Konzerten oder speziellen Events wird die Synagoge mit hunderten Kerzen beleuchtet. Das Gebäude wird noch stets als Gotteshaus genutzt und ist der Öffentlichkeit zugänglich. In den weiteren Gebäuden des Komplexes gibt es auch eine Schatzkammer, wo Besucher einzigartige Sammlungen zeremonieller Gegenstände aus Gold, Silber, Seide und Brokat bewundern können. Außerdem befindet sich dort die älteste funktionsfähige jüdische Bibliothek der Welt, Ets Haim – Livraria Montezinos, welche Teil der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste ist.

Goldener Saal Haus ten Bosch. Foto: NBTC

Amsterdam Museum

30 riesige Gruppenportraits des 17. Jahrhunderts aus den Kollektionen des Amsterdam Museums und des Rijksmuseums wurden zum ersten Mal in der Hermitage Amsterdam zusammengebracht, wo sie seit 2014 zu sehen sind. Diese „Brüder und Schwestern“ der Nachtwache sind einzigartig auf dieser Welt und wurden aufgrund ihrer Größe selten ausgestellt. Sie zeigen Regenten, Wächter, Kaufleute aller Schichten, sozialen Klassen und Religionen die als Brüder zusammenstehen. Rembrandts „Die Anatomiestunde von Dr. Deijman“ und Portraits von Wachmännern, unter anderem Govert Flinck und Nicolaes Pickenoy, sind nur einige Beispiele für die Kunstwerke, die zu sehen sind.

Johannes Vermeer: Ansicht von Delft. 1660 – 1661. Quelle: Mauritshuis

Hoorn und Enkhuizen: Perlen des Goldenen Zeitalters

Die historischen Häfen von Hoorn und Enkhuizen – nur 40 Minuten von Amsterdam entfernt – sind wahre Perlen. Einst waren dies die Heimathäfen der niederländischen Ostindischen Kompanie (VOC), welche eine der stärksten Handelsunternehmen des 17. Jahrhunderts war. Zusätzlich waren diese Häfen zentrale Stellen im Handelsnetzwerk, welches über die ganze Welt reichte. Entdecker, Erfinder, Wissenschaftler und Künstler lebten hier. Dieses reiche Erbe ist noch stets überall sichtbar, wodurch Hoorn und Enkuizen zu den Hotspots für Kulturliebhaber gehören. Die Städte mit den prunkvollen Häfen sind voller Atmosphäre, historischer Monumente, Museen und guten Restaurants.

Quelle: NBTC Niederländisches Büro für Tourismus & Convention

Titelbild / Das Schifffahrtmuseum. / Foto: Eddo Hartmann

 


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