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Beobachtungswarte Swarovski. Foto: Ronald Keusch

Österreich: Hohe Tauern im Salzburger Land – still und prickelnd

6 Minuten Lesezeit

Es gibt wohl kaum eine Region in Europa wie den Nationalpark Hohe Tauern, in der sich die Natur auf so einzigartige Weise selbst inszeniert. Mit seiner unglaublichen Gipfel-Anzahl von 266 (!) Dreitausender und hunderten von eiszeitlichen Gletschern zählt Hohe Tauern im Salzburger Land zu den größten Naturschutzgebieten Zentraleuropas. Doch für viele ist es überraschend, dass der Besucher der Bergwelt Hohe Tauern zugleich ein riesiges „Wasserreich“ entdecken kann. Denn die vielen Gletscher sind die wichtigsten Speicher für Trinkwasser in den Alpen. Es gibt 500 Bergseen und fast 1.000 Kilometer Bachläufe. Und so sprudelt und gurgelt es allenthalben als Wegbegleiter für die Wanderer.

Hintersee im Felbertal. Foto: Ronald Keusch
Hintersee im Felbertal. Foto: Ronald Keusch

Wanderhotels mit Sommercard

Zwischen den Hohen Tauern und den Kitzbüheler Alpen in einem der 13 Nationalparktäler liegt Mittersill, der größte Ort mit etwa 7.000 Einwohnern, gewissermaßen die Hauptstadt der Region und ein idealer Wanderstartplatz. Hier finden sich wie in den Nachbargemeinden Hollersbach und Stuhlfelden eine ganze Reihe von großzügig ausgestatteten Wanderhotels. Zu ihnen gehört das Sporthotel Kogler, das mit seiner großen Schwimmhalle mit 25 Meter Bahnen und einem Fitness-Studio mit hundert modernsten Geräten und einer Gesamtfläche von 500 Quadratmetern seinem Namen alle Ehre macht.

„Das Wandern ist wieder modern geworden“, freut sich Anneliese Kogler. Sie betreibt mit ihrer Schwester Andrea das Sporthotel Kogler in Mittersill. Es ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Es gehört zur Kette der ausgewiesenen Wanderhotels im Nationalpark. Hier hat der Hotelgast unglaubliche 5.000 Kilometer Wanderwege in den Hohen Tauern direkt vor der Nase. Genau so wichtig ist für die Gäste, das so ein Wanderhotel wie das Sporthotel Kogler ohne Mehrkosten regelmäßig geführte Wanderungen anbietet, in der Hauptsaison immerhin sechs pro Woche. Die Wanderungen haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade von einfach über mittelschwer bis sehr schwierig. Begleitet werden die Gäste von gestandenen Bergwanderführern und teilweise auch Naturpark-Rangern, die sich mit der Tier- und Pflanzenwelt bestens auskennen.

Eines der Markenzeichen der Wanderhotels ist die Nationalpark-Sommercard mobil, die jeder Gast erhält. Mit ihr haben die Touristen eine Liste von 60 attraktiven Ausflugszielen und Leistungen in der Hand, die sie zudem kostenlos besuchen bzw. nutzen können.

Hoteliersfrau Anneliese Kogler (r.) und ihre Restaurantleiterin Sabine Lerchner. Foto: Ronald Keusch
Hoteliersfrau Anneliese Kogler (r.) und ihre Restaurantleiterin Sabine Lerchner. Foto: Ronald Keusch

Österreichs schönste Aussicht

Beinahe zum Pflichtprogramm eines Besuches der Hohen Tauern zählt der Besuch des „nationalen Denkmals“ der Österreicher, des Großglockners, 3798 Meter hoch. Da ist schon der Weg ein Ziel, denn zu Österreichs schönster Aussicht führt eine 48 Kilometer lange Hochalpenstraße mit einem Höhenanstieg von 2504 Metern. Auch hier auf der Mautstrecke (Tageskarte PKW 35 Euro) hilft die Sommercard, etwas Geld zu sparen. Die Straße zum Großglockner ist schon ein Natur- und Fahrerlebnis der besonderen Art, speziell für die Ohren, die ähnlich wie im Flugzeug nicht immer den Druckausgleich schaffen. Hier auf der berühmten Alpenstraße strampeln auch mühsam zahlreiche Radfahrer mit ihren Sporträdern. Bei ihrem Anblick erscheint das teilweise ermüdende Steuern des Autos durch die Serpentinen mit scheinbar endlosen Kurven unendlich leichter.

Rastplatz auf der Hochalpenstraße. Foto: Ronald Keusch
Rastplatz auf der Hochalpenstraße. Foto: Ronald Keusch

Energiedusche am Wasserfall

Zu den attraktiven Stationen zum Großglockner gehört der Walscher Wasserfall über mehrere Kaskaden, wenige hundert Meter von der Alpenstraße entfernt. Nur wenige Fahrminuten bis zum Gipfelziel sind hier kaum Touristen, um die Energiedusche am Wasserfall zu nehmen. Eine Informationstafel klärt darüber auf, dass die Luft am Wasserfall sehr stark mit negativ geladenen Ionen angereichert ist, die zu einer Lungen reinigenden Wirkung führen und das Nervensystem beeinflussen. Bei einer Rast im Dunstkreis der Wassertröpfchen schmeckt das Pausenbrot gleich besser.

Walscher Wasserfall. Foto: Ronald Keusch
Walscher Wasserfall. Foto: Ronald Keusch

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Hoch über dem Gletscher

Wer nun das Ziel der Hochalpenstraße, das Besucher-Zentrum des Großglockner mit weitläufiger Terrasse erreicht hat, wird schnell davon überzeugt, dass Großglockner-Wanderungen nicht etwa nur etwas für ambitionierte Alpinisten ist. Wenn der Autofahrer sein Fahrzeug im Parkhaus mit vier Etagen abgestellt hat, erwartet ihn ein großes Netz an Wanderwegen für alle Ansprüche. Dazu gehören Themen- und Rundwege, gemütlichen Tal- und Almwanderwege, abwechslungsreiche Familientouren und für fitte Bergsteiger auch hochalpines Klettern. Oberhalb des Parkhauses auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe hat der Besucher, hoch über der Pasterze, dem größten Gletscher der Ostalpen, einen wunderbaren Blick auf den Großglockner, wenn er wolkenfrei ist.

Gletscher und Großglockner. Foto: Ronald Keusch
Gletscher und Großglockner. Foto: Ronald Keusch

In wenigen Gehminuten ist die im Jahr 1998 errichtete Beobachtungswarte Wilhelm-Swarovski (unser Titelbild) erreicht. Sie ist eine eindrucksvolle Glasarchitektur, die einen Bergkristall darstellen soll und maßgeblich von der Tiroler Firma Swarovski gesponsert wurde. Sie wirbt hier nicht nur mit geschmackvollem Kristallglas, sondern auch mit seinen auf der vierten Ebene aufgestellten hochpräzisen optischen Geräten. Mit diesen modernsten Ferngläsern lassen sich ausgiebig der Gletscher, aber auch Murmeltiere, Steinböcke und Alpinisten auf dem Großglockner beobachten.

Geführte Tour ins Hollersbachtal

Ein weiteres Charakteristikum der Wanderhotels in den Hohen Tauern besteht darin, dass die Feriengäste in der Hauptsaison pro Woche insgesamt sechs geführte Wandertouren erleben können. Eine der Bergwanderführerinnen ist die in dem kleinen Ort Krimml aufgewachsene Elisabeth Reitsamer. Zu ihren Lieblingstouren mit Touristen gehört der Bachlehrweg ins Hollersbachtal. Auf diesem Lehrpfad, immer am Wildbach entlang, ist noch im Juni die Kraft des Schmelzwassers aus den Bergen zu spüren.

Bachlehrweg am Hollersbach. Foto: Ronald Keusch
Bachlehrweg am Hollersbach. Foto: Ronald Keusch

„Für mich sind immer die schönsten Momente“, so Wanderführerin Elisabeth, „wenn ich sehe und spüre, wie unsere Feriengäste aus der Hektik des Alltags zu uns kommen und sich so über unsere schöne Natur, unsere Bäche, Seen und Wasserfälle und an der ruhigen Bergwelt erfreuen.“ Die gelernte Physiotherapeutin hat seit zwei Jahren für Urlauber ein Mental-Training mit Pferden eingerichtet unter dem Titel: “Wir sind Pferdemenschen“, um ein besonderes Erlebnis mit Pferden zu schaffen. Ihre Pferdeherde steht auf einer Koppel am Hintersee, auch ein Ziel für geführte Wandertouren für Touristen aus Wanderhotels.

Kompetente und charmante Bergwanderführerin Elisabeth. Foto: Ronald Keusch
Kompetente und charmante Bergwanderführerin Elisabeth. Foto: Ronald Keusch

Foto-Motiv und Naturheilmittel

Zum „Wasserreich“ des Naturparks Hohe Tauern gehören unbedingt die Krimmler Wasserfälle. Sie befinden sich in der Großglockner-Region unweit von Mittersill und sind die höchsten Wasserfälle Europas und die fünftgrößten der Welt. Dieses einmalige Naturschauspiel mit einer jährlichen Wassermenge von 176 Millionen Kubikmeter Wasser weckte schon vor mehr als 100 Jahren Begehrlichkeiten der Energiewirtschaft. Doch konnten die Wasserfälle als Naturdenkmal geschützt und erhalten bleiben. Und so stürzen die Wassermassen bis heute in mehreren Stufen tosend talwärts. Dabei legen sich Milliarden von feinsten Wassertröpfchen auf die Umgebung und die staunenden Besucher.

Krimmler Wasserfälle. Foto: Ronald Keusch
Krimmler Wasserfälle. Foto: Ronald Keusch

Nun wird das vielfach fotografierte Spektakel zunehmend zu einem Naturheilmittel lanciert und dazu internationale klinische Studien herangezogen. Das fein zerstäubte Wasser wirkt positiv auf das Immunsystem und besonders auf asthmatische Erkrankungen. Der Sprühnebel soll speziell allergischen Asthmatikern mehrere Monate Beschwerdefreiheit schaffen. Auf einer Seite des Wasserfall ist ein Therapieplatz für Gäste mit asthmatischen Erkrankungen eingerichtet. Das stille kristallklare Wasser der Seen und Bäche versprechen erfrischende Urlaubsmomente. Und die donnernde Gischt wirkt auch als ein natürliches Heilmittel.

Ronald Keusch, Juni 2017

Titelfoto / Gletscher und Großglockner. / Foto: Ronald Keusch

 

Weitere Informationen:

www.hotel-kogler.at

www.nationalpark.at

 

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