Kopenhagen: Haschkeks, Hotdogs, Hygge

Last updated on 29. Mai 2018

3 Minuten Lesezeit

Nur leichtbekleidete Menschen. Freigelegte Schultern unter Spaghettiträgern, kurze Hosen und wo immer möglich die Beine hoch gelagert auf Kaffeehausstühlen oder Brunnenrändern. So war unsere erste Begegnung mit Kopenhagen – im Reiseführer – und das kam uns spanisch vor.

Im Nachhinein müssen wir einräumen, dass alles der Wahrheit entsprach. Ganz unabhängig vom Wetter ist es nämlich genau so in Kopenhagen: tiefenentspannt.

Das mag auch an der gedämpften Geräuschkulisse gelegen haben. Kein Autohupen und Fahrradklingeln, kein Geschrei vonwegen Vorfahrt. Alles easy oder Hygge, wie der Skandinavier sein Gelassenheits-Glück nennt.

Der Ehrlichkeit halber sei gesagt, dass wir nur drei Tage in der dänischen Hauptstadt weilten. Aber was hätte diesen angenehmen Eindruck trüben können? Sogar den einen Regentag mochten wir leiden, weil der die Hygge-Tugenden des Skandinaviers zum Strahlen brachte.

Wenn der Berliner die Abenteuerlust und die vermeintlich rechtsfreien Räume der Nachwendezeit mit Wehmut erinnert, dann wird er sich auf jeden Fall das soziale Experiment Christiania (ein 1971 von Hippies und Studenten besetztes ehemaliges Armeeglände inmitten der Stadt) ansehen wollen. Tatsächlich fühlt man sich ein wenig wie einst am Tacheles oder in Party-Locations in Friedrichshain. Aber auch wieder nicht, denn das seit 2012 legalisierte Terrain bietet seinen ungefähr eintausend Bewohnern viele beschauliche Wohnplätze mit kleinen kreativ umgebauten Holzvillen und Gärten. Dass auf einem zentralen Platz des Viertels an über zwanzig Ständen völlig offen ein buntes Sortiment an leichten Drogen vertickt wird, erstaunt. Nur dass Fotografieren hier nicht erwünscht ist, verweist auf den halblegalen Charakter der Geschäfte, die immerhin 70 Millionen Euro, vielleicht auch das doppelte, umsetzen. Aber die Tolerierung durch die Behörden und auch durch die Bewohner von Christiania hat ihre Grenzen. Wie schon einmal vor ein paar Jahren wurde Mitte Mai 2018 die Pusherstreet dichtgemacht nachdem sich die Revierkämpfe zugespitzt hatten.


Fotostrecke Kopenhagen

Nicht in Rom oder Athen, sondern in Kopenhagen - die Glyphotek. Foto: Beate Lemke
Kopenhagen. Foto: Beate Lemcke
Kopenhagen. Foto: Beate Lemcke
Hier geht es zu einem der schönsten Museen - der Glyptotek. Foto: Beate Lemcke
Hier geht es zu einem der schönsten Museen - der Glyptotek. Foto: Beate Lemcke
Lassuns.reisen_Daenemark_Kopenhagen_Glypotek
Lassuns.reisen_Daenemark_Kopenhagen_Glypotek
Glyptotek in Kopenhagen. Foto: Beate Lemcke
Glyptotek in Kopenhagen. Foto: Beate Lemcke
Farbenpracht in der Glyptotek. Foto: Beate Lemcke
Farbenpracht in der Glyptotek. Foto: Beate Lemcke
Lassuns.reisen_Kopenhagen_Wintergarten_Glyptotek2
Lassuns.reisen_Kopenhagen_Wintergarten_Glyptotek2
Lassuns.reisen_Kopenhagen_Wintergarten_Glyptotek
Lassuns.reisen_Kopenhagen_Wintergarten_Glyptotek
Kopenhagen verfügt auch über schöne Gassen. Foto: Beate Lemcke
Kopenhagen verfügt auch über schöne Gassen. Foto: Beate Lemcke
Kopenhagener Café Bankerat. Foto: Beate Lemcke
Kopenhagener Café Bankerat. Foto: Beate Lemcke
Lassuns.reisen_Kopenhagener_Boerse
Lassuns.reisen_Kopenhagener_Boerse
Touristenmagnet Nyhavn, Fassadendetail. Foto: Beate Lemcke
Touristenmagnet Nyhavn, Fassadendetail. Foto: Beate Lemcke
Hot Dog und Clown im Vergnügungspark Tivoli. Foto: Beate Lemcke
Hot Dog und Clown im Vergnügungspark Tivoli. Foto: Beate Lemcke
Lichtskulptur von Olafur Eliasson im Tivoli. Foto: Beate Lemcke
Lichtskulptur von Olafur Eliasson im Tivoli. Foto: Beate Lemcke
Geschlossen. Foto: Beate Lemcke
Geschlossen. Foto: Beate Lemcke
Mit Muße im Botanischen Garten. Foto: Beate Lemcke
Mit Muße im Botanischen Garten. Foto: Beate Lemcke
Flora und Fauna im Botanischen Garten in Kopenhagen. Foto: Beate Lemcke
Flora und Fauna im Botanischen Garten in Kopenhagen. Foto: Beate Lemcke
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Kommen wir vom Hasch-Keks aus Christiania zur dänischen Küche. Kurz nur, denn wir haben sie nicht gut genug kennengelernt, um sie würdigen zu können. Die Smörrebröd geheißene vielfältig belegte Stulle gehört dazu. Und der Hot Dog. Bei letzterem überraschte uns eine gewisse Ähnlichkeit mit dem diabolisch grinsenden Clown im Vergnügungspark Tivoli keineswegs.

Der Hot Dog war in unserem Fall ein grell orangenes Würstchen, dem das weiche Brötchen, in das es gebettetet war, weder festen Halt noch Geschmack gab.

Der Vergnügungspark Tivoli ist übrigens unbedingt sehenswert, auch wenn schwache Mägen (vor allem nach Hot Dog-Genuss) auf Achterbahn und andere Schleudern gerne verzichten. Die Fahrgeschäfte, die Büdchen und Verkaufsstände sind außerordentlich liebevoll gestaltet, es gibt viel Park mit Anpflanzungen und einem See, und in den Baumkronen hängen Leuchtobjekte vom Künstler Olafur Eliasson, der halb in Berlin, halb in Kopenhagen lebt.

Unser Highlight war die Glyptotek, ein zum langen Verweilen und Staunen einladendes Kunstmuseum, das Kopenhagen dem Gründer der Ny Carlsberg-Brauerei verdankt, der der Stadt Ende des 19. Jahrhunderts seine Kunstschätze vermachte. An das Herz der Glyptotek mit einem Wintergarten unter einer Kuppel aus Honigglas sind diverse Museumsbereiche angeschlossen, darunter ein Erweiterungsbau mit einer hervorragenden Sammlung französischer Gemälde. Den selten anzutreffenden Bonnard findet man dort ebenso wie überraschende Arbeiten von Gauguin oder Monet. Die Räume und Gänge des Museums sind in kräftigen Farben gehalten, und immer wieder tun sich Sichtachsen zum Wintergarten auf – nicht häufig sind Skulpturen in Museen so abwechslungsreich und stimmig präsentiert. Uns hat das jedenfalls ganz hyggelig gemacht.

Beate Lemcke

Beate ist gelernte Journalistin und Inhaberin des über unsere Landesgrenzen hinaus bekannten Szene-Ladens Irish Berlin in der Mitte Berlins

Titelfoto / Nicht in Rom oder Athen, sondern in Kopenhagen – die Glyptotek. / Foto: Beate Lemcke


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