Saale-Unstrut: Nördlichstes Qualitätswein-Anbaugebiet mit viel sehenswerter Geschichte Eine einzigartige Region, auch wegen seiner Natur, seiner Geschichte und seiner Weine


10 Minuten Lesezeit

Besuch in der Saale-Unstrut-Region – Das Wetter Ende September ist leicht diesig, dennoch ist die Aussicht an diesem Herbsttag über das Unstruttal von der Panoramaterrasse des Berghotels zum Edelacker einfach umwerfend. Ein unvergleichlicher Blick auf Freyburg und die vielen, vielen Weinstöcke.

Das Hotel eignet sich ideal als Ausgangspunkt für die Sehenswürdigkeiten an Saale und Unstrut. Auf der Webseite des Hotels, unten im sogenannten Footer, sind schon mal wichtige touristische Highlights der Gegend mit den Entfernungsangaben gelistet. Einiges lässt sich zu Fuß erkunden, für andere Entfernungen benötigt man ein Fahrrad oder ein Auto. Aber Vorsicht, wenn man selbst fahren muss, überall lauern Verführungen – stimmungsvolle, leckere Weine aus der Gegend.

Für Direktor Jan Thyen ist das Berghotel zum Edelacker auch ein Weinberghotel. Mit Recht, denn das Hotel liegt nicht nur auf einem Weinberg, sondern hat eine Reihe ausgezeichneter Weine aus der Region im Angebot. Zudem werden im Jahr viele Weinproben mit erlesenen Tropfen offeriert. Auch ist vielen Einheimischen das Hotel eine Empfehlung wert.

Glaubt man den Lokalpatrioten, so wird der in der Saale-Unstrut-Region erzeugte Wein dort auch (fast vollständig) konsumiert. Nur vergleichsweise wenige Flaschen verlassen das nördlichste Qualitätsanbaugebiet Europas. Ein Grund mehr, der hochmittelalterlich geprägte Wein- und Kulturlandschaft im Herzen Deutschlands einen Besuch abzustatten.


Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben

Als ältester schriftlicher Beleg des Weinanbaus an Saale und Unstrut gilt bisher eine Urkunde aus dem Jahr 998, die Kaiser Otto III. zur Förderung des Klosters in Memleben ausstellte. Damit übereignete der Kaiser dem Konvent verschiedene Ortschaften, Ländereien und Weinberge.

Memleben ging in die Geschichte ein, weil dieser Ort stark mit dem Herrschergeschlecht der Ottonen verbunden ist. Mehrfach hielten sich Ottonische Herrscher an diesem Ort auf. König Heinrich I. verstarb in Memleben im Jahr 936. Als Sterbeort seines Vaters und Standort einer Kaiserpfalz stand Memleben somit am Beginn der Herrschaft Ottos, gleichzeitig aber auch am Ende seines Kaisertums, da Otto I. im Jahr 973 am selben Ort verstarb.

Um das Memorialgedenken für seinen Vater abzusichern, stiftete Kaiser Otto II. mit seiner Gattin Theophanu in Memleben ein Benediktinerkloster. Beide statteten es reich aus und sorgten dafür, dass es sich zu einer bedeutenden Reichsabtei entwickelte.

Heute lässt sich im Museum in vielfältiger Weise für den Besucher der Spirit dieser Zeit einfangen. Ein Schwerpunkt bildet der mittelalterliche Klostergarten. Liebevoll ist er wieder angelegt worden. Allerdings entspricht der Klostergarten in seiner heutigen Ausprägung nur einem Bruchteil der ursprünglichen Größe, erklärt Andrea Knopik, Museumsleiterin und zweiter Vorstand der Stiftung Kloster und Kaiserpfalz Memleben, „denn der Konvent musste vom Garten leben“.

Neben speziellen Angeboten für Kinder und Familien in der Ferienzeit, kann man praxisnahe Einblicke über den Weinanbau im Kloster Memleben erfahren.

Außerdem zieht regelmäßig benediktinischer Geist in das Kloster ein. Mönche aus der Abtei Münsterschwarzbach sowie Mitarbeiter aus Kirchen der Region beleben die besondere Atmosphäre innerhalb der Kirchenmauern.

Ausstellung „Wissen + Macht – Der heilige Benedikt und die Ottonen“

Hoher Besuch in Memleben! Ein stiller Ort, abseits gelegen inmitten des malerischen Unstruttals und Sterbeort von König Heinrich I. (936) und Kaiser Otto des Großen (973), erwartet hohen Besuch: der heilige Benedikt, Mönch Heimerad sowie Kaiser Otto II. nebst Gattin Theophanu geben sich im ehemaligen Benediktinerkloster Memleben die Ehre – soweit die Phantasie der Ausstellungsmacher.

Benedikt von Nursia wurde um 480 geboren und starb 547 in seinem Kloster auf dem Monte Cassino. Er ist der wohl bedeutendste Ordensgründer, Abt und Einsiedler der Kirchengeschichte. Seit mehr als 1400 Jahren bilden seine Ordensregeln wichtige Grundlagen und Rahmenbedingungen für das Klosterleben weltweit.

Nur Benedikt und die Ottomanen sind sich nie persönlich begegnet, hätten aber ganz gewiss ihre Begeisterung und Leidenschaft für Memleben als besonderen Ort der europäischen Kultur- und Zeitgeschichte geteilt. So das Credo der Ausstellungsmacher von „Wissen und Macht – der Heilige Benedikt und die Ottonen“.

Vom 7. Mai bis 15. Oktober 2018 ist das Museum Kloster und Kaiserpfalz der Schauplatz dieser außergewöhnlichen Sonderausstellung, die den heiligen Benedikt und die Ottonischen Herrscher in den Mittelpunkt stellt.


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Spitzenweine von Grober Feetz

Was stellen Sie sich unter Grober Feetz vor? Saale-Unstrut und Grober Feetz – klingt für mich nach dem Namen einer speziellen Weinreben-Sorte. Falsch gedacht – aber eben nicht völlig daneben, denn so heißt tatsächlich ein vorzügliches lokales Weingut. Kellermeisterin und Betriebsleiterin Stephanie Grober-Feetz sowie Bauherr und Weinbergsvater Tino Feetz sind die Namensgeber des Weinguts.

Die Philosophie: Mit Respekt und Liebe zur Natur und Geschichte der Region werden ausschließlich traditionelle Terrassenweinberge bewirtschaftet.

Aufgrund von Trockenmauern und fehlenden Wirtschaftswegen kann auf den gepachteten Flächen nur von Hand gearbeitet werden. Im Weingut gibt es keine festen Arbeitsabläufe, jedes Jahr wird entsprechend der Witterung und jeder Weinberg gemäß seiner Vegetation gesondert bearbeitet.

Im Keller wird schonend mit viel Gefühl gekeltert. Bei den Weißweinen setzen Grober Feetz auf kurze Standzeiten und den Ausbau im Edelstahltank. Damit Frische, Frucht und Mineralität, die Kalk- und Bundsandsteinböden so mit sich bringen, erhalten bleiben.

Die Rotweine werden im offenen Maischebottich vergoren und im Edelstahltank oder Barriquefass zum Reifen eingelagert und erst nach einer Standzeit von vier bis acht Monaten gefüllt.

Nun genug mein Wein-Chinesisch: Die Winzer aus Leidenschaft laden ein zur Weinlese und natürlich zur Verkostung der Spitzenweine in ihrer Weinstube in der Mühlstraße in Freyburg. Handmade by Grober Feetz – klingt gut und ich kann verraten – schmeckt phantastisch.

Schloss, Burg und Festivalstätte

Schloss Neuenburg ist nur einen Spaziergang vom Berghotel zum Edelacker entfernt. Es thront hoch oben über dem Winzerstädtchen. Vor 1000 Jahren war es herrschaftlicher Repräsentationsort Thüringer Landgrafen und Zentrum mittelalterlich-höfischer Kultur. Und um 1100 war sie die größte und bedeutendste Befestigungsanlage Mitteldeutschlands. Zusammen mit der Freyburger Stadtkirche St. Marien ist es heute die eindrucksvolle Spielstätte für Europas bedeutendstes Festival mittelalterlicher Musik: Montalbâne. Vokal- und Instrumentalensembles verschiedener Nationen entrücken seit 25 Jahren ein euphorisches Publikum jeden Sommer für drei Tage in eine andere Zeit und Welt.

Schloss Neuenburg ist auch etwas für den Nachwuchs, denn die kleinsten Besucher haben dort ihren eigenen Bereich: die Kinderkemenate. Hier können sie sich in Könige, Ritter, Gaukler und Edelfrauen verwandeln und den Sagen und Legenden von der Neuenburg lauschen.

Sekt – aber bitte säbuliert

Was Sie schon immer von der Sektherstellung erfahren wollten, können Sie während einer Kellerführung durch die Rotkäppchen Sektkellerei erleben.

Vorher geht es durch den Lichthof, einem der ältesten Industriehöfe Deutschlands. Der imposante Domkeller mit seinem Riesenfass und die ehrwürdigen Gewölbekeller mit den hölzernen Rüttelpulten und das Museum werden Sie beeindrucken. Dabei können Sie sich selbst vom Geschmack des Sektes überzeugen.

Lassen Sie sich unbedingt von Franziska Bieler, Event Managerin der Rotkäppchen Sektkellerei, und Kollegen im Säbulieren unterweisen. Den Sektkorken von Hand entfernen, kann jeder. Aber mit einem Säbel die Flasche zu öffnen, ist schon ein eigenes Erlebnis. Sie tun es damit Napoleon Bonaparte nach. Er soll der Legende nach Sekt- und Champagner-Flaschen nur so geöffnet haben. Es ist auch nicht schwer, geht aber nicht mit jeder Flasche. Damit Sie zu Hause keinen Scherbensalat erzeugen, lassen Sie sich vorher bei Rotkäppchen unterweisen.

Von der Kultur des gekonnten Öffnens einer guten Flasche Sekt hin zur Kultur des eindrucksvoll gesprochenen Wortes.

Das kleinste Theater Deutschlands…

befindet sich in der Domstadt Naumburg. Auf kleinstem Raum spielt engagiert das Mini-Ensemble mit Intendant Stefan Neugebauer an der Spitze. Herausforderungen sind nicht nur die kleinen Räumlichkeiten, sondern auch, Stücke zu finden, die mit einem kleinen Ensemble gespielt werden können.

Eine weitere Herausforderung ist auch der (relativ) kleine mögliche Theaterbesucherkreis. Spätestens nach vier Wochen Spieldauer hat das Stück jeder Theaterinteressierte gesehen. Folglich gibt es viele Premieren im kleinsten Theater Deutschlands.

Lassuns.reisen-Tipp: Unbedingt erlebenswert.

Naumburger Dom: die schönste Frau des Mittelalters und weitere Kostbarkeiten

Als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler des Hochmittelalters ist der spätromanisch-frühgotische Dom immer eine Reise wert. Das mächtige Bauwerk ist ein Besuchermagnet an der „Straße der Romanik“. Die Anerkennung als UNESCO-Welterbe steht bevor.

Beeindruckend sind die beiden Lettner, welche die Chöre räumlich vom Kirchenschiff trennen. Ein Lettner ist eine Schranke aus Stein oder Holz, die vor allem in Domen, Kloster- und Stiftskirchen den Raum für das Priester- oder Mönchskollegium vom übrigen Kirchenraum trennt. Zwei erhaltene Lettner in einer Kirche sind weltweit einzigartig!

Die größte Anziehungskraft übt der Westchor mit den zwölf Stifterfiguren aus. Um 1250 geschaffen durch die Hand des namenlosen „Naumburger Meisters“, ist speziell Markgräfin Uta von Ballenstedt das Sinnbild für die „schönste Frau des Mittelalters“. Wobei die auch als Uta von Naumburg bezeichnete Markgräfin bereits 1046 verstarb, es sich also wahrscheinlich um eine idealisierte Darstellung des Künstlers handelt.

Utas Abbild ging um die Welt. Laut Wikipedia nahm Walt Disney das Bildnis der Uta von Naumburg als Vorbild für die Zeichnung der bösen Stiefmutter Schneewittchens in seinem Zeichentrickfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge. Der Erfolgsautor Umberto Eco huldigte ihr in seinem Werk Geschichte der Schönheit.

Es gibt natürlich viel mehr zu bewundern, als die schöne Uta. Architektur, Skulptur, Glas- und Wandmalerei des um 1250 vollendeten Naumburger Westchores bestechen durch ihre herausragende künstlerische Qualität und sind in ikonographischer und bautechnischer Hinsicht derart aufeinander bezogen, dass dies nur durch die Gesamtleitung eines verantwortlichen Bildhauerarchitekten, eben des aus Mainz gekommenen „Naumburger“ Meisters, erklärt werden kann.

Sowohl die Gestaltung der Kreuzigungsgruppe und der Passionsreliefs am Westlettner wie der Stifterfiguren im Westchor oder des Diakons und der Bischofsgrabplatte im Ostchor sind von unübertroffener Meisterschaft.

Ungemein lebendig, realitätsnah und ausdrucksstark sind Gesichter, Gesten und Bewegungen wiedergegeben. Die Figuren wirken wie beseelt. Fest verankert im architektonischen Rahmen verweisen Stifterfiguren, Kreuzigungsgruppe und Passionsreliefs im Zusammenspiel mit dem im Vierpass dargestellten Weltenrichter und den Abbildungen der Naumburger Bischöfe, der über die Laster triumphierenden Tugenden und den Heiligen in den Glasfenstern auf die zentralen Glaubensbotschaften hochmittelalterlicher Theologie.

Der Naumburger Dom St. Peter und Paul zählt nicht nur wegen seines Westchores zu den bedeutendsten sakralen Kulturdenkmälern aus der Zeit des europäischen Hochmittelalters. Zusammen mit dem Kreuzgang, der Dreikönigskapelle, der Marienkirche, den umliegenden Kuriengebäuden und dem Domgarten bildet er ein herausragendes Architekturensemble.

Der Naumberger Dom wartet auch mit einem großartigen Projektangebot für Kinder auf: die KinderDomBauhütte. Ein großartiges Programm für Kinder zum Mitmachen und Selbstgestalten.

Beispielsweise mit dem Lichtblick Romanik. Wie erfolgte die Herstellung der riesigen Kathedralfenster? Nach zwei Stunden wissen die Kids Bescheid. Sie folgen den Spuren mittelalterlicher Glaskünstler und erproben ihr Geschick im Umgang mit dem empfindlichen Baumaterial. Sie schneiden, brechen und schleifen Glas in Form eines romanischen Bogens und verlöten die Einzelteile zu einem wunderschönen Teelichtaufsteller.

Ingo Paszkowsky

Titelfoto / Blick vom Hotel Edelacker auf Freyburg. / Foto: Lassuns.reisen / Ingo Paszkowsky


Weitere Informationen:

Offizielles Tourismusportal der Region

http://www.saale-unstrut-tourismus.de/

 

Berghotel zum Edelacker

Schloss 25
06632 Freyburg
Tel. 034464 350
www.edelacker.de

 

Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben

Thomas-Müntzer-Straße 48
06642 Kaiserpfalz / OT Memleben
Tel.: 034672 60274
www.kloster-memleben.de

 

Weingut Grober Feetz

Mühlstraße 32
06632 Freyburg
Tel. 0179 / 7460967
https://grober-feetz.de/

 

Museum Schloss Neuenburg

Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Schloss 1
06632 Freyburg
Tel. 034464-35530
www.schloss-neuenburg.de

 

Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH

Sektkellereistraße 5
06632 Freyburg/Unstrut
Tel. 034464 34 0
https://www.rotkaeppchen.de/

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