Seerosen-Idylle: Besinnlich unterwegs auf der Uecker

Last updated on 5. August 2021

6 Minuten Lesezeit

Im zweiten Sommer in Folge, da „alles anders“ ist, suchten wir das Naheliegende statt die Ferne. Das Ruderboot ist uns ohnehin gemäßer als die Kreuzfahrt, und statt auf Safari die Big Five zu avisieren, hofften wir darauf, mal einen Biber zu Gesicht zu bekommen.


Ueckermünde bot sich als Ausgangspunkt. Die kleine Stadt am Stettiner Haff bezieht ihren Charme vor allem aus ihrer Lage im Nordosten Deutschlands, wo die Ostsee nicht weit weg ist. Anmutig wirken der von alten Giebelhäusern gerahmte Marktplatz und ein ehemaliges Herzogsschloss, in dem jetzt u.a. ein Haff-Museum residiert. Noch mehr interessierte uns aber die Uecker, die den Ort durchfließt und ins Stettiner Haff mündet. Am Alten Bollwerk, mitten in der Stadt, fand sich ein Bootsverleih für Tretboot, Kajak, Ruderboot. Motorisiert wollten wir nicht sein, und die abendlichen Floßfahrten zu den Biberburgen auf der Uecker sparten wir uns für ein andermal auf.


Also ab ins Ruderboot und da war auch gleich so eine Biberburg, deren Größe uns Respekt abverlangte und Fragen nach der Bauweise und den Lebensgewohnheiten der Tiere aufwarf, die uns sicher noch länger beschäftigen werden. Zunächst nur der Gedanke, ob die possierlichen Tierchen in ihrer Burg wohl Biberwäsche aufgezogen haben? Nun ja, der Mensch ist im Urlaub, und da hat der Ernst auch mal frei und derlei versponnene Gedanken sind erlaubt.


Wenn der Weg das Ziel ist, hat der Mensch viel Zeit und das Sich-Treiben-Lassen wird ein Wert an sich. Schauen, den Gedanken nachhängen, Müßiggang und Leere zulassen – das ist Erholung pur.
Seerosengewächse gibt es in vielerlei Gestalt, auf der Uecker dominiert die weiße. Einer ihrer größten bekannten Liebhaber war zweifellos der impressionistische Maler Monet. Den Franzosen haben seine Seerosenbilder berühmt gemacht. Diese Pflanzen haben Blätter unter Wasser und Schwimmblätter, die auf der Wasseroberfläche treiben, sie brechen und damit schöne Reflexionen erzeugen.


Wem ein Ruderboot denn doch zu klein ist, den könnte das Traditionsschiff UCRA, die Pommernkogge, interessieren. Der Nachbau einer hanseatischen Kogge hat seinen Liegeplatz im Seebad Ueckermünde und steht für Haff-Rundfahrten bereit. Neunzehn Jahre arbeitete ein Traditionsschiffverein an diesem technischen Denkmal vom Baubeginn bis zur Inbetriebnahme im Schiffverkehr. Und auch da merkt man wieder, welchen Wert Zeit hat.

Beate Lemcke

Beate ist gelernte Journalistin und Inhaberin des über unsere Landesgrenzen hinaus bekannten Szene-Ladens Irish Berlin in der Mitte Berlins

Titelfoto / Seerosenfeld auf der Uecker / Foto: Beate Lemcke

Auch interessant

Schreibe den ersten Kommentar

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.